‚Hasenfutter“’-Maja

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‚Hasenfutter’-Maja

Heute kommt eine Neue in die Klasse. Frau Schäfer hat den Kindern der 2b schon von Maja erzählt. Es hat spannend geklungen, was sie zu berichten wusste, und die Kinder sind neugierig auf diese fremde Maja. Die hat nämlich mit ihren Eltern in einem Wohnmobil eine Reise fast um die ganze Welt gemacht, die mehr als drei Jahre gedauert hat. Nun ist die Familie wieder zu Hause und heute wird Maja zum ersten Mal zur Schule gehen, Dabei ist sie schon acht Jahre alt!
„Seid nett zu ihr!“, hat Frau Schäfer gesagt. „Der erste Schultag wird für sie nicht leicht sein.“
Mit glänzenden Augen haben die Kinder Frau Schäfer zugehört. Eine Weltreise? Toll! Bestimmt wird Maja viele spannende Geschichten erzählen.
Am nächsten Morgen führt Frau Schäfer ein dünnes, braun gebranntes Mädchen mit hellblonden Zöpfen in den Raum. Nett sieht diese Maja aus.
In Max´ Bauch kribbelt es und es ist ein schönes Kribbeln, findet Max. Er will Maja begrüßen, doch alles, was er sich an Fragen ausgedacht hat, hat er auf einmal vergessen. Den anderen Kindern scheint es ähnlich zu gehen, denn außer ”Hi” und ”Hallo” fällt ihnen auch nichts ein.
Maja macht es ihnen aber auch nicht einfach. Sie ist sehr still und sagt nur ”Guten Tag”. Ihre Augen aber wandern aufmerksam durch den Raum. Noch aufmerksamer sieht sie die Kinder an.
Endlich ist Pause und die Kinder sind damit beschäftigt, ihre Pausenbrote auszupacken. Neugierig schielen sie zu Maja hinüber. Wer weiß, vielleicht hat sie fremdartige Sachen zum Essen mitgebracht? Aus Afrika vielleicht oder Indien oder…?
Nun ja, fremdartig ist Majas Pausenbrot nicht, aber trotzdem anders: Mohrüben liegen in Majas Pausenbrotdose, Paprikastücke, Oliven, Selleriestangen, 2 runzelige Äpfel und ein grobes Körnerbrot, belegt mit Tomaten und Gurkenscheiben.
„Was ist das denn?”, ruft der dicke Robin, der Maja am nächsten sitzt. ”Ihh! So etwas würde ich nicht essen.”
”Hasenfutter”, kichert Lisa und das klingt so witzig, dass alle lachen.
”Hasenfutter-Maja! Hasenfutter-Maja!”, rufen sie und lachen.
Auch Max kann ein leises Kichern nicht unterdrücken.
Maja scheint das nur wenig zu stören. Seelenruhig nimmt sie das dicke, grobkörnige Brot mit dem Gemüsebelag und beißt herzhaft hinein.
”Das ist Gartenwurst”, sagt sie und kaut auf beiden Backen. ”Schmeckt prima und macht total fit. Echt wahr!”
Echt wahr? Die Kinder schweigen betreten.
Nur der dicke Robin kann mit dem Lästern nicht aufhören. ”Und warum bist du dann so dünn wie eine Bohnenstange?”, spottet er.
Maja mustert Robin Speckrollen, die unter dem T-Shirt hervor quellen, und grinst. ”Besser dünn und fit als dumm und dick”, sagt sie. Dann murmelt sie noch etwas, das die Kinder nicht genau verstehen, nämlich: ”Besser dünn und satt als hungrig, krank und matt.”
Da weiß Max, dass sie an die Kinder aus Afrika und Indien und all den anderen armen Ländern denkt. Sie hat sie ja auf ihrer Weltreise gesehen.
”Schön, dass du da bist, Maja”, sagt Max und lächelt.
Da klatschen alle Kinder, die vorher gelacht haben, in die Hände und rufen: ”Ja, herzlich willkommen, Maja!”

© Elke Bräunling